Als Konzertfotograf und Eventfotograf habe ich in der Bochumer Christuskirche das Konzert von Bugge Wesseltoft mit meiner Kamera begleitet.
Es brauchte nicht mehr als einen Flügel. Kein Lichtkonzept, keine Elektronik, kein dekoratives Beiwerk. Nur Bugge Wesseltoft – und der Raum der Christuskirche Bochum, der an diesem Abend selbst zum Resonanzkörper wurde.
Schon mit den ersten Tönen entstand jene eigentümliche Zeitlosigkeit, die Wesseltofts Spiel seit Jahrzehnten prägt. Der norwegische Pianist, der mit seiner New Conception of Jazz einst Clubkultur und Improvisation neu verschmolz und damit einer ganzen Generation die Tür öffnete – ähnlich wie J. S. Bach weit über seine eigene Epoche hinauswirkte –, ist heute hörbar präsent im Schaffen von Künstlern wie Martin Kohlstedt und Nils Frahm, Hauschka, Nik Bärtsch und natürlich Nils Petter Molvær. An diesem Abend jedoch kehrte er zurück zu einem Ursprung: dem Grand Piano als einzigem Erzähler. Doch dieses Zurück war kein Rückschritt, sondern ein Innehalten – ein Freilegen von Klang, der ohne jede technische Erweiterung in die Tiefe führte.
Wesseltoft begann behutsam. Einzelne, tastende Motive standen lange im Raum, fast wie Fragen. Die Stille zwischen den Tönen wurde Teil der Musik, nicht bloß Pause, sondern Bedeutung. Allmählich verdichteten sich die Linien zu sanft pulsierenden Strukturen, in denen sich jene melancholische Downtempo-Stimmung zeigte, die er selbst einmal mit einem augenzwinkernden „Soft-Prog“ beschrieben hat. Kleine melodische Kerne wuchsen zu weiten Bögen, ohne je ins Pathos zu kippen.
Dabei war stets etwas Landschaftliches zu spüren – Weite, Offenheit, nordische Ruhe. Klänge schienen sich wie Horizontlinien zu verschieben, während darunter ein ruhiger, fast tröstlicher Grundton blieb. Einsam wirkte diese Musik nie; eher geborgen, als hielte der Raum selbst die Zuhörenden fest.
Im Verlauf des Abends öffnete sich Wesseltofts Spiel zunehmend. Rhythmische Figuren tauchten auf, verschwanden wieder, als würden Erinnerungen an frühere elektronische Experimente kurz anklopfen – nur um sich sofort in akustische Klarheit aufzulösen. Besonders in den leisesten Momenten zeigte sich seine Meisterschaft: Wenn ein einzelner Ton genügte, um die Aufmerksamkeit des gesamten Raumes zu bündeln.
Das Publikum folgte dieser Dramaturgie in konzentrierter Stille. Applaus kam nie zu früh, sondern erst dann, wenn Wesseltoft eine Klangwelt wirklich abgeschlossen hatte – fast ehrfürchtig, als wolle man den Nachhall nicht stören. Am Ende stand kein spektakulärer Höhepunkt, sondern ein sanftes Ausklingen, das mehr nach Weiteratmen als nach Schluss wirkte.
Gerade darin lag die Größe dieses Abends. Nicht im Virtuosenhaften, nicht im Effekt, sondern in der radikalen Einfachheit: ein Mensch, ein Instrument, ein Raum – und Musik, die aus dem Moment entsteht und doch weit darüber hinausweist.
Ein großer Abend in der Christuskirche. Und einer, der noch lange nachklingt.
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