Als Pressefotograf habe ich von Andrea Sawatzkis Lesung „Biarritz“ in der Christuskirche Bochum einige Fotografien erstellt.
Die Christuskirche in Bochum - gedämpftes Licht, ruhige Atmosphäre, gespannte Stille – der Kirchenraum wird zur Bühne für Worte, Erinnerungen und sehr persönliche Geschichten. Andrea Sawatzki ist zu Gast und liest aus ihrem autobiografisch geprägten Buch „Biarritz“.
Ihre aktuelle Lesetour führt sie durch zahlreiche deutsche Städte, Bochum ist eine der Stationen, die ihr wichtig sind. Ihr Mann - der Schauspieler Christian Berkel - war früher Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum und verbindet schöne persönliche Erinnerungen an die Stadt und seine Menschen. Berkel habe immer wieder von Bochum geschwärmt – von der Theaterzeit, den Menschen, der Atmosphäre, der kulturellen Offenheit.
Sawatzki liest ruhig, klar und eindringlich. Die Texte kreisen um Kindheit, Familie, Verletzungen, Sprachlosigkeit und das schwierige Verhältnis zur Mutter. Es sind schonungslose, ehrliche Schilderungen, aber ohne Pathos. Statt Anklage steht das Verstehen im Vordergrund, statt Bitterkeit der Versuch, inneren Frieden zu finden.
Immer wieder spricht sie frei, tritt in direkten Kontakt mit dem Publikum. Sie erklärt Hintergründe zum Buch, spricht über den Schreibprozess und über den inneren Widerstand, diese Geschichte überhaupt zu erzählen.
Trotz der Schwere vieler Themen liegt über dem Abend keine Dunkelheit. Im Gegenteil: Andrea Sawatzki strahlt Ruhe, Wärme und Lebensfreude aus. Sie spricht über Entwicklung, über Heilung, über den langen Weg, sich selbst anzunehmen.
Der Applaus in der Christuskirche ist lang und herzlich. Kein lautes Event, kein inszeniertes Spektakel – ein stiller, intensiver Abend, der nachwirkt. Worte, die berühren. Geschichten, die bleiben. Und eine Autorin, die Nähe zulässt und Vertrauen schafft.